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Update: Blogsupersuchmaschine

Ich erinnere mich noch gern an meine erste Reboot Konferenz in Kopenhagen. Jede*r im Publikum hatte drei Tabs offen: Suche #reboot via technorati.com, flickr.com, del.icio.us.

Letztes Jahr kommentierte Felix Schwenzel das Discovery-Problem zur re:publica so:

ansonsten ist mir aufgefallen, dass wir in der tat dringend eine funktionierende blogsuchmaschine brauchen. ich tue mir sehr schwer blogs zu finden, oder besser ausgedrückt, berichte von #rp25-teilnehmenden zu finden, die sie ins internet geschrieben haben.

Danke für den Stups. Dieses Jahr klingt das schon deutlich optimistischer:

was ich auch positiv sehe: blogs sind dieses jahr viel sichtbarer. das kann daran liegen, das rivva dieses jahr einen eigenen #rp26 stream hatte, inklusive RSS, aber vielleicht auch daran, dass es tatsächlich eine kleine blog-renaissance in den letzten 12 monaten gab. letztes jahr war ich beinahe schockiert darüber, wie wenig resonanz die republica in meinem RSS reader hervorrief.

Ich glaube ja, mehr letzteres. Aber das kleine Web braucht mehr Sichtbarkeit. Und dazu fehlen uns die passenden Werkzeuge. Der #rp26-Stream lieferte einen guten Proto-Beweis dafür: rivva.de/republica — mit über 200 Fundstücken aus mehr als 90 unterschiedlichen Quellen bis dato. (Wie super wäre das bitte für jedes Schlagwort und Thema? Eben!)

Google interessiert sich schon lange nicht mehr für Blogs. Und die „zehn blauen Links“ verschwinden gerade ohnehin zugunsten generativer KI-Antwort-UIs. Matthias Ott beschreibt die Entwicklung ziemlich treffend:

Google is betting its entire future on a world where people eagerly hand over their emails, their files, their habits, and their trust – to an AI system that will quietly auction off their attention, word by word, to the highest bidder. The ad infrastructure is ready. The question is whether the audience is.

Sascha Brittner formuliert die Konsequenz noch drastischer:

Da muss man sich gar nichts vormachen: Das ist das Ende des Internets, wie wir es kennen. Google will mit OpenAI Schritt halten und nicht ersetzt werden. Und das wird eine der weitreichendsten Änderungen sein, die wir in knapp 30 Jahren erleben.

Und auch das ist schon wieder ein Jahr her: Damals hatte ich das Projekt Blogsupersuchmaschine vorgeschlagen.

Leider war das Interesse (und Vertrauen?) dafür nicht da. Weil die Frage im anonymen Briefkasten landete, was eigentlich Status wäre: Das unabhängige Web braucht einen Suchindex und ich will diese Blogsuche immer noch bauen. Ich dachte, das wäre klar. Sonst hätte ich das Steady-Paket schon lange deaktiviert.

Das Projekt existiert also weiterhin. Aber ohne entsprechendes Backing eben langsamer und kleiner als ursprünglich geplant. Die eigentliche Arbeit ist nicht der Code. Ich muss eigentlich entscheiden, was überhaupt in so einen Index gehört. Dazu muss ich tausende Quellen sichten, ordnen und neue entdecken. Teilweise händisch kuratiert, teilweise maschinell klassifiziert. Und einen viel größeren Webcrawler programmieren, der neue Quellen im unendlichen Longtail findet und Rivva näher an die tatsächliche Vielfalt der Blogosphäre bringt. Breiter und überraschender.

Also: an die Arbeit.

#rebuild. #reclaim. #reboot.

Folien zum nie gehaltenen rp09-Vortrag

Vor ein paar Tagen habe ich auf meinem Server die Folien für meine Session auf der re:publica 2009 ausgegraben. Der Vortrag fand nie statt. Warum also nicht 17 Jahre später veröffentlichen?

Leider gibt es aus dieser Ära kaum noch Zeitdokumente. Ich selbst habe hier im Blog rückblickend auch viel zu wenig dokumentiert. Markus Spath hat da bessere Arbeit geleistet: Thx, hackr!

Von Rivva aus dem Jahr 2009 existieren heute geschätzt weniger als fünf Prozent: Code, Quellen, Funktionsumfang. Deshalb habe ich für mich selbst das Motto #rebuild ausgerufen. Ich glaube, wir können und müssen einige der über die Jahre beschädigten Systeme neu aufbauen. Mit First Principles Thinking dort weitermachen, wo wir irgendwann falsch abgebogen sind.

Die Folien sind mehr als Zeitkapsel gedacht; wirklich selbsterklärend sind sie nicht. Dafür enthalten sie einige ganz coole Screenshots. Damals bekamen einzelne Blogposts zum Teil fünfzig oder hundert verlinkende Beiträge. Da wird einem erst klar, was wir unterwegs eingetauscht haben …

Vortragsfolien: News aggregieren mit Rivva (2009)

Ein Co-Design-Space für Rivva

Ich baue gerade einen neuen Raum: einen kleinen Co-Design-Space zum Nachdenken, Skizzieren und Bauen, zum Mitgestalten und Diskutieren. Eine Mischung aus gemeinsamem Denken (Wiki) und fokussierten Gesprächen (Forum).

Ich will Rivva noch mal konzeptionell neu aufstellen — mit Ideen und Feedback aus der Community. Der Space richtet sich an alle, die Rivva unterstützen oder unterstützt haben (Steady oder PayPal).

Wenn du darauf Lust hast, schreib mir kurz an rivva@frankwestphal.de (gern mit ein paar Sätzen oder Ideen). Ich schicke dir dann zum Start (Anfang Juni) deinen Zugang.

#rebuild

Ich entwickle Rivva gerade weiter: hin zu etwas Persönlicherem. Bisher war es vor allem eine gemeinsame Startseite. Künftig wird es stärker zu deinem Rivva: ein Ort, den du auf dich zuschneiden kannst. Mit neuen Funktionen und ein paar Mikro-Apps.

Die Weiterentwicklung findet nicht mehr unsichtbar statt, sondern gemeinsam mit euch, die ihr Rivva möglich macht. Dafür öffne ich einen eigenen Community-Bereich. Dort entstehen neue Funktionen, dort wird ausprobiert, verworfen und verbessert — direkt im Austausch. Wenn du Rivva unterstützt oder unterstützt hast, kannst du gern Teil davon sein.

Der anonyme Briefkasten wird damit überflüssig und schließt bald. Lieben herzlichen Dank für euer wertvolles Feedback.

Zehn Cent

Rivva wird nicht eingestellt. Ich baue ein zweites.

Ich versuche noch zu verstehen, wo genau es schief gelaufen ist.

Viele haben meinen letzten Text wohl so gelesen,
als würde Rivva bald eingestellt.

Das ist nicht der Fall.
Rivva läuft weiter, so wie bisher.

Ich entwickle es lediglich in zwei Richtungen weiter:
ein stabiles altes Rivva ohne große neue Funktionen
und ein neues Rivva mit erweitertem Funktionsumfang.

Ich stelle nichts ab.
Ich stelle das Projekt neu auf.

Das neue Rivva startet konzeptionell auf der grünen Wiese
und bringt, was immer fehlte: Blogsuche und persönliches Login.

Ich habe in all den Jahren mit Rivva viele Fehler gemacht.
Trotzdem habe ich immer versucht, das Richtige zu tun,
mit Integrität und Idealismus zu handeln.
Auch dann, wenn es für mich selbst zum Nachteil war.

Wenn ich jetzt das Vertrauen gebrochen habe,
dann tut es mir unendlich leid.

Meine Kommunikation ist sicher verbesserungsfähig, daran arbeite ich.

Ich hoffe einfach, dass die meisten die Notwendigkeit verstehen
und diesen Schritt mitgehen.

Denn es gibt wirklich genug Menschen, die Rivva jeden Tag aufrufen.

Rechnerisch hätten zehn Cent pro Tag ausgereicht.
Und doch …

Einen Aggregator zusammenzuhacken ist nicht schwer.
Einen, der 19 Jahre lebt, schon.

Im Fediverse las ich neulich:
„Wir werden solche Seiten noch vermissen.“¹

¹ Leider nicht als Lesezeichen gespeichert,
danke dennoch an den unbekannten Autor.

Wer möchte, kann Ideen oder Kritik in meinen anonymen Briefkasten werfen.

Das Feedback ist nicht öffentlich, nur für mich lesbar.
Vielen Dank.

Teilhabe für Teilhabe

Eine Zäsur.

Ich habe beschlossen, Rivva wie es ist einzufrieren.¹

Das alte Rivva läuft weiter und bleibt offen.

Aber die Weiterentwicklung richtet sich künftig an die Menschen,
die die tägliche Arbeit daran überhaupt ermöglichen.

Wer das Projekt mitträgt und mir die Brötchen zahlt,
soll auch mehr davon haben.

Ich habe versucht, Rivva gemeinschaftlich zu finanzieren.
Sieben Jahre lang, auf den Tag genau.

Dieser Versuch in dieser Form ist gescheitert.

¹ „Einfrieren“ bedeutet: stabiler Betrieb, keine neuen Funktionen.
Update 1.2.2026: Begriffsklärung ergänzt.

Update 2.2.2026: Missverständnisse eingeräumt, siehe Teil 2

 

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