– Wie ich gerade im 1000ff-Interview sagte, ist Rivva jetzt meines Erachtens feature-complete. Das gibt mir mehr Gelegenheit, die Säge zu schärfen, anstatt immer nur Bäume zu fällen. Das heißt, alles noch folgende fällt in die Kategorie "nice to have" … angefangen mit der Videowand, die ich wiederbelebt habe, weil sie mir fehlte.
Gleichzeitig möchte ich nach und nach einige Metriken und Statistiken öffnen, die Rivva intern führt. Heute ist das der Dialogindex, inspiriert von Stowe Boyds Conversational Index (Idee, Reflexion).
Was ist der Dialogindex?
Am Einfachsten ist der Dialogindex wahrscheinlich erklärt durch seine Berechnungsformel: Nimm die Anzahl der Reaktionen, die ein Blog (oder eine Site) bekommt, und teile sie durch die Anzahl der Artikel, und Du erhälst einen Anhaltspunkt für den Interaktionsgrad, der von einer Quelle ausgeht. Die Idee ist, dass ein Blog, das mehr Konversation anstößt als eigene Beiträge veröffentlicht, einen echten Dialog eröffnet und nicht nur Broadcast-Meldung hinter Broadcast-Meldung raushaut, also mehr die Zweiwegkommunikation einschlägt als die Einbahnstraße.
Interpretieren lässt sich der Dialogindex auf vielerlei Weise: Resonanz, Wahrnehmung, Interessantheitsgrad, Signalrauschabstand, Wird Dir ein Ohr geschenkt? Am Besten bringt es Mathew Ingram noch in Blogs — it’s all about the conversation auf den Punkt:
"I think this hits the nail on the head — what makes most blogs interesting isn’t so much the great things that the writer puts on there (as much as I like to hear the sound of my own voice), but what kind of response it gets, and how that develops, and who carries it on elsewhere on their own blog."
Rivva betrachtet ein Zeitfenster von 100 Tagen und beschränkt sich auf tatsächlich eingehende Links – Kommentare bleiben unberücksichtigt.
PS – an der aktuellen Liste erkennt man sehr gut, dass das Law of Raspberry Jam doch sehr oft zutrifft: "The wider you spread it, the thinner it gets." (Gerald M. Weinberg)
Rolf F. Katzenberger:
"Nimm die Anzahl der Reaktionen, die ein Blog (oder eine Site) bekommt, und teile sie durch die Anzahl der Artikel, und Du erhälst einen Anhaltspunkt für den Interaktionsgrad, der von einer Quelle ausgeht. "
Scheint mir sehr gewagt. Über Interaktion oder einen einen "echten Dialog" sagt das nicht wirklich etwas, eher darüber, ob sich viele zum Schwadronieren über "Broadcaster" berufen fühlen. Oder ist der "Bundesverfassungsgericht Newsfeed" (Platz 18) ei Hort echter Dialoge und wirklich viel dialogorientierter als Stefan Niggemeier (Platz 30)?
Zu einem Dialog gehören immer zwei, also müsste man eher untersuchen, ob sich wenigstens auf *eine* Reaktion pro Posting ein längerer Dialog zwischen Blogger und Leser (seinerseits Blogger) entspannt. Wie auch immer man das linktechnisch nachvollziehen will...
marko schulz:
Da will ich Rolf zustimmen: Falls Du nur Anzahl an Reaktionen in eine Richtung zählst, dann ist das nicht Interaktion, Dialog und Zweiwegekommunikation. Für diese drei braucht es Reaktionen in beide Richtungen.
Wenn man sich die obersten Plätze anschaut, sind dies dann auch vor allem Blogs, die Deinen obigen Annahmen widersprechen. WP-Blogs, ER und der CCC haben eben (zumindest in der Blogwelt) viel mehr Broadcast- und Einbahnstraßencharakter. Es wird auf sie reagiert, aber sie reagieren wenig auf andere Blogs
Unwichtig sind sie natürlich dennoch nicht. Ganz im Gegenteil: Ihre Broadcasts sind der Blogosphäre so wichtig, das sie deswegen so viel Reaktionen heraufbeschwören.
Interessant fände ich deswegen Zweiwegereaktionen (welche Blogs kommunizieren mit anderen) und auch welche Blogs Zweiwegreaktionen zwischen anderen Blogs auslösen (also welche Blogs lösen bei anderen Diskussionen aus).
Und - ich bin mal wieder unersättlich - eine grafische Darstellung: Wer viel diskutiert wird größer dargestellt und mit wem er viel diskutiert wird mit ihm per Linie verbunden. Darüber könnte man dann auch abgeschottete Diskussionsgruppen gut erkennen, die sich in den Zahlen gemeinsam hochziehen, aber nur eine lokale Wirkung haben.
Und als letztes: Wenn Du nun Rivva als feature-complete ansiehst, bedeutet dies, dass Du Kategorien wieder aufgegeben hast? Hat es einfach nicht funktioniert?
Frank Westphal:
Wahrscheinlich sind meine Bilder mal wieder zu blumig :)
Ich wollte mit dem Namen irgendwo in der Nähe von Stowe Boyds Vorschlag bleiben: Konversationsindex war mir jedoch zu länglich und an Dialogindex gefiel mir, dass der deutsche Begriff kürzer war als das englische Original.
Ist der Austausch "Haste mal Feuer?" "Nee, rauch nich!" schon ein Dialog? Darüber lässt sich streiten. Als Relevanzkriterium reicht Rivva, dass ein Artikel überhaupt einen Anstoss geliefert hat und ein entsprechendes Echo hervorruft, also nicht ins Leere kommuniziert. Für mich bleibt es auch dann ein Dialog, wenn das Gesprächsthema nur unter Dritten stattfindet und der Stein des Anstoßes nicht weiter involviert ist. Ist aber bestimmt auch egal und Haarspalterei.
Ihr habt Recht, dass ein echter Cluetrain-Faktor (Märkte sind Gespräche) noch mehr aussagen würde. Nicht nur: Wie gut hört man mir zu? Sondern: Wie gut höre ich anderen zu? Habe ich bisher nicht benötigt und deshalb noch nicht berechnet, vielleicht mache ich mir den Spaß aber mal …
Kategorien stehen weiterhin auf dem Programm – auch wenn ich sie nicht als essenziell ansehe, taucht der Ruf nach thematischer Trennung ja immer wieder auf – bin im Moment nur zu lazy.
bei der videowand wäre es super, wenn der titel des videos beim mouseover erscheinen würde.
marko schulz:
Ich weiß gar nicht, ob Kategorien so wichtig sind. Vielleicht würde ich sie toll finden, wenn sie da wären. Mir fehlen sie derzeit aber nicht.
Sei lazy. Du machst das gut.
Karin:
Finde die Idee gut. Allerdings dürfen wir nicht vergessen: Es gibt genug Branchen/ Nischenblogs, die nicht oder kaum von Bloggern gelesen werden.
Unter den LeserInnen meines Tourismusmarketing-Blogs sind viele, die nie kommentieren würden - weil sie es sich mit ihren Arbeitsgebern nicht verscherzen wollen - und schon gar nicht bloggen. Der Dialogindex kann also immer nur die "Online-Reaktion" messen.
nexuslex:
Resonanzindex , vielleicht. 500 Bloggies und davon einige, die einen interessanten Eindruck machen. Och, menno, Frank, danke. Also, mal wieder: Rivva, das Messinstrument, das die Blogosphäre erfahrbar macht. Ich muss noch etwas feintunen, bis ich ausdrücken kann, was rivva für mich darstellt. Klar ist : Du hast uns alle bereichert. Seine ganz privaten Leckerbissen muss man sich weiterhin selbst ersuchen und das ist gut so, aber als Gemeinsames ein wirklicher Entwicklungsschritt. Respekt.
Henning Krieg:
Zur Umsetzung der Idee des Dialogindexes
Ich fände es gut (und richtig), im Dialogindex zusaätzlich die Anzahl der Artikel anzugeben, die die Basis des Werts angeben. Das würde meiner Meinung nach einen wichtigen Mehrwert liefern: wer selten(er) postet mag mit seinen Posts vielleicht einen vergleichsweise guten Wert aufweisen (bei mir ist es bspw. momentan so), aber der Grad des "Dialogs" (aka der Interaktion) ist unter dem Strich dann vielleicht doch wesentlich geringer gegenüber jemandem mit einem niedrigeren Wert, aber einer deutlich höheren Postingfrequen. An der Reihenfolge müsste diese Information ja nichts ändern; sie würde lediglich der weiteren Orientierung dienen.
Blogpatenschaften:
Ich staune nicht schlecht, denn erst seit wenigen Tagen kennt Google den Begriff Blogpatenschaften überhaupt. Mit einem Dialogindex, der diese Idee jetzt auch noch weit vor den gängigen A-Bloggern platziert, interpretiere ich dieses Ranking hier als ein absolut gutes Omen für alle gegenwärtigen und zukünftigen Blogpatenschaften, gerade was den Dialog zwischen Web-Freaks und Web-Neugierigen angeht und eben nicht als eine Posse der Statistik. ;-)